Das eingeschossige Gebäude verfügt über eine Doppelfassade, die vor allem in den kalten estnischen Wintern die Rolle eines Klimapuffers übernimmt. Die äußere Schicht bildet eine rahmenlose Verglasung, deren Bedruckung mit unregelmäßigen weißen Sternmustern einerseits traditionelle estnische Motive zitiert, andererseits aber auch Sonnenschutzfunktionen übernimmt. Die innere Schicht besteht größtenteils aus geschlossen Wandflächen. Raumhoch verglaste Öffnungen sorgen dafür, das ansonsten eher monolithische Fassadenbild aufzulockern und vielfältige Einblicke ins Gebäudeinnere zu geben, während sich bei abendlicher Beleuchtung ein schemenhaftes Bild der inneren Fassade abzeichnet.
Der Haupteingang präsentiert sich als dreiecksförmig aus der westlichen Schmalseite des Baukörpers ausgeschnittener Vorplatz, der die Besucher wie ein Trichter auf die Eingangstüren zuführt. In seiner Monumentalität erinnert dieser Bereich mit weit auskragendem Dach an einen Flugzeughangar. Zugleich zeugt die hinter einer dunklen Metallgitter-Deckenverkleidung zu erkennende, leichte Stahl-Fachwerkkonstruktion aber auch von einer kleinteiligen Differenziertheit, die auch das gesamte Innere des Gebäudes prägt.
Im ebenso großzügigen wie räumlich durchlässigen Foyer wird schnell klar, dass der Neubau keineswegs nur das Estnische Nationalmuseum mit zwei Dauerausstellungen zur Kulturgeschichte des Landes, sondern auch zahlreiche weitere Nutzungen beherbergt: eine Bibliothek mit Seminarräumen, ein Wechselausstellungsbereich, eine Kunstgalerie, ein Black-Box-Theater, ein Restaurant, ein Café sowie ein Kino- und Konferenzsaal mit Nebenbereichen, die die Ausrichtung von Filmfestivals und anderen Events ermöglichen.
Auf dem Weg zur Hauptausstellung im östlichen Gebäudeteil passieren die Besucher mehrere umlaufend raumhoch verglaste Innenhöfe, die vielfältige Blickbeziehungen quer durch das ganze Gebäude ermöglichen und die extreme Längsausrichtung des Baukörpers fast vergessen machen. Im Bereich des Restaurants, der als Brücke über einen unter dem Gebäude hindurchführenden See angelegt ist, ermöglichen sie Bezüge zu den Freiräumen, während sie im Werkstatt- und Bürobereich der Belichtung der Innenräume und als introvertierte Pausenhöfe dienen.
Am Abend, bei eingeschalteter LED-Beleuchtung in der Doppelfassade, beginnt der Baukörper in verschiedenen Weiß-Tönen zu strahlen. Vor dem Hintergrund des ehemaligen Flughafengeländes erscheint er dadurch als leuchtende Landmarke, die symbolisch für den Aufbruch in eine neue Zeit steht.
