Das Holz ist als Baustoff in seiner vielseitigen Verwendung kaum zu übertreffen und kann wegen seiner leichten und exakten Verarbeitung als ein nahezu idealer Werkstoff bezeichnet werden. Die hohe Festigkeit, die große Elastizität und das geringe Raumgewicht des trockenen Holzes geben diesem Werkstoff fast unbegrenzte Verwendungsmöglichkeiten. Der Holzfachmann für die Ausbauarbeiten ist der Tischler oder Schreiner, er hat die Voraussetzungen und Kenntnisse für Material und Konstruktionen und wendet diese in der Praxis sehr vielseitig an. Denn wie kaum ein anderer Baustoff verlangt Holz Verständnis für seine Eigenarten und guten handwerklichen Sinn für die Verarbeitung. Die Holzstärken bestimmt der Tischler dabei gefühlsmäßig, ohne statische Regeln und Berechnungen.
Als lebendiger, in der Natur gewachsener Baustoff hat das Holz aber den Nachteil, daß es auch noch lange Zeit nach der Verarbeitung Veränderungen durch Witterungseinflüsse unterworfen ist. Diese Tatsache verlangt vom Bearbeiter gründliche Kenntnisse und Erfahrungen in der Behandlung des Materials. Holz ist nie ganz immun gegen Feuchtigkeit und Wärme, sondern schwindet, wirft sich, quillt und reißt unter atmosphärischen Einflüssen. Versuche zur Verfestigung und Immunisierung des Holzes durch Einpressen von Kunststoff oder andere Verfahren sind bis heute noch zu keinem entscheidenden Erfolg gekommen.
Das Schwinden des Holzes in der Längsrichtung ist nur gering, in der Breite oder Stärke aber sehr merklich. Das Schwindmaßverhältnis von Länge zu Breite und Stärke beträgt etwa 1 : 50. Das Schwinden kommt daher, daß die Fasern oder Zellen Wasser verlieren und austrocknen und sich dadurch zusammenziehen und so einen kleineren Raum einnehmen. Umgekehrt können die Zellen auch wieder Wasser aufnehmen und quellen. Gerade diese Eigenschaften treten in jedem Neubau immer wieder auf und bringen große Unannehmlichkeiten mit sich. Daher muß der Schreiner oder Tischler beim Zusammenfügen der Teile zu einem Ganzen auf das Arbeiten des Holzes Rücksicht nehmen. Beim Architekten fehlt oftmals das Verständnis für diese Vorgänge, insbesondere wenn es sich um eine Konstruktion handelt, die nicht üblich ist. Je feiner das Holz bearbeitet werden soll, desto überlegter muß die Konstruktion sein, um das Schwinden und Werfen und das Auftreten von Fugen und Rissen zu verhindern.
Durch Verarbeiten von Sperrholz in Form von Furnierplatten, Block- oder Stäbchenplatten sucht man dem Arbeiten des Holzes zu begegnen. Die Bilder auf Seite 177 zeigen die verschiedenen Möglichkeiten nach Qualität, Größe und Stärke entsprechend den DIN-Vorschriften. Die gleichen Überlegungen führten auch zur Herstellung der Holzfaserplatten. Bei den Sperrholz- und Holzfaserplatten ist das Schwindmaß auf ein Minimum herabgedrückt, jedoch ist das Schwinden auch hier nicht völlig zu verhindern.
Sind schon die Holzverbindungen sorgfältig und genau zu konstruieren und auszuführen, so müssen die Anschlüsse von Holz an andere Werkstoffe mit noch größerer Aufmerksamkeit behandelt werden. Gerade dies wird aber häufig vernachlässigt und führt dann nach kurzer Zeit zu unliebsamen Schäden und zu teuren Nacharbeiten.
Holz hat besonders günstige schall- und wärmedämmende Eigenschaften, die gerade im modernen Wohnungsbau von Bedeutung sind. Die Verwendung von Holz erlaubt hier wärmetechnisch vorteilhafte Konstruktionen, deren vielleicht höhere Kosten sich im Laufe der Zeit immer bezahlt machen. Auch schalltechnisch weist Holz viele Vorzüge auf. Insbesondere stellt man aus Holz und seinen Veredelungsprodukten (Furnier, Sperrplatten, Faserplatten, Kunstholz usw.) schalldämmende Platten her, die mit Sägeschnitten, Löchern, Hohlräumen u. a. versehen sind. Mit diesem Material können leicht und billig schalltechnisch einwandfreie Räume gebaut werden. Solche Maßnahmen sind gerade auch für den sozialen Wohnungsbau wesentlich, damit die Nerven der Bewohner möglichst geschont werden.
Die gebräuchlichsten einheimischen Holzarten für Tischlerarbeiten sind:
Nadelhölzer
Weichholz: Tanne, Fichte, Kiefer (Forche, Föhre), Lärche.
Laubhölzer
Hartholz: Ahorn, Birne, Birke, Buche, Eiche, Esche, Kirsche, Nußbaum, Rüster (Ulme).
Weichholz: Linde, Pappel.
Vom Verpflocken des Neubaues bis zu den feinsten Ausbauarbeiten wird immer wieder Holz verwendet. Man kann sich kaum ein Haus oder eine Wohnung ohne Holzarbeiten denken. Das Holz ist ein so wertvoller Baustoff geworden, daß bei jeder Verwendung größte Wirtschaftlichkeit anzustreben ist. Unnötige Hobelverluste können vermieden werden, wenn man sich mit den Fertigholzstärken nach den lieferbaren Schnittholzwaren, abzüglich des Hobelverlustes, richtet. Dieser Verlust beträgt bei beidseitiger Bearbeitung 3-5 mm. Die Güte- und Schnittklassen sowie die Holzabmessungen sind in DIN-Vorschriften niedergelegt. Für den sozialen Wohnungsbau sind verschiedene Vorschriften und DIN-Blätter zu Pflichtnormen erklärt worden.
Die richtige Auswahl der Hölzer für den jeweiligen Zweck ist bei allen Arbeiten zu beachten. Damit spart man am richtigen Ort und schützt sich vor unangenehmen Rückschlägen. Dem Aussuchen des Materials, in Hinsicht auf Maserung und Farbe, sollte viel größere Aufmerksamkeit geschenkt werden, weil bei den großen naturbelassenen Flächen die Struktur des Materials als Hauptfaktor mitspricht. Bei einzelnen Holzarten zeigt die Erfahrung, daß gut ausgewählte Hölzer durch Altern immer schöner werden. Die Oberflächenbehandlung durch einen farblosen Überzug, wie Politur, Lacke u. ä., steigert die Wirkung der Maserung.
Klare, sauber durchdachte und einfache Formen sind nicht modischen Strömungen unterworfen. Der Baustoff Holz bietet durch seine von der Natur geschaffene Struktur und Schönheit reiche Möglichkeiten der künstlerischen Wirkung. Formale Spielereien sind bei handwerklich hergestellten Einzelstücken unangebracht; noch viel mehr gilt das für die maschinell in Serien angefertigten Möbel.
Das Arbeitsgebiet des Tischlers hat sich gegen früher eher erweitert. Man denke an die wachsende Bedeutung der eingebauten Möbel, z. B. in der Küche. Auch werden die Zwischenwände einzelner Räume, die keine Tragwände sind, häufig durch vom Fußboden bis zur Decke reichende Schrankeinbauten ersetzt. Bei solchen Schrankwänden können die Schränke Rücken an Rücken stehen oder auch versetzt angeordnet werden. In Sonderfällen, z. B. zwischen Küche und Eßraum, kann man sie auch von beiden Seiten zugleich benützen. Auch Holzdecken, Vertäferungen, eingebaute Bänke usw. werden häufig ausgeführt.
Die nachfolgenden Werkblätter sind nicht als allgemeingültige Musterbeispiele anzusehen, sondern stellen vielmehr Elemente der Tischlerarbeiten dar, wie sie dem Architekten in unserer Zeit zur Verfügung stehen. Sie sind eingeteilt in:
Holzverbindungen, Innentüren, Außentüren, Holzgetäfer, Schubladen, Klappen, Schiebetüren und Einbauschränke.
Die gezeigten Konstruktionen werden in jedem einzelnen Fall nach Zweck und gewählter Form wieder anders verwendet werden müssen. Die Fähigkeit, mit ihnen richtig umzugehen, sie entsprechend umzubilden und sinngemäß zu ergänzen, soll mit ihrem Studium erreicht werden.
